Aus der Probenarbeit: Die Menschen flehen um Gnade Aus der Probenarbeit: Die Menschen flehen um Gnade

  

Interviews zum Musical "Schwein gehabt":

 

 

Bernhard Locher, 39, Metzgermeister, Zuoz. Bernhard Locher, 39, Metzgermeister, Zuoz.

«Dieses Jahr hatte ich keine Zeit, mit der Familie Ferien zu machen, deshalb versprach ich meiner Tochter, beim Musical mitzuspielen. Früher war ich Mitglied im Männer- und Kirchenchor. Ich habe immer gern gesungen und Theater gespielt. Heute liegt das allwöchentliche Proben nicht mehr drin. Mit meinen Metzgereien in Zuoz und Samedan bin ich voll ausgelastet. Ich spiele ein wenig Hockey im Winter, fahre Ski mit der Familie. Die Proben fürs Musical sind absehbar, so kann ich mir das einrichten. Auf Wunsch meiner Tochter spielen wir zusammen ein Schildkrötenpaar. Dass ich fast der einzige Mann bin, stört mich nicht, da hab ich keine Berührungsängste. Mit Kindern etwas auf die Beine zu stellen, macht Spass. Die sind spontaner als die Erwachsenen.»

Yasmine Hunziker, 9, Primarschülerin, Samedan. Yasmine Hunziker, 9, Primarschülerin, Samedan.

«Ich spiele eine Ratte, weil ich als Ratte in dem Stück auch tanzen und viel singen kann. Es gibt verschiedene Ratten in unserem Musical: Hausratten, Leseratten, Wasserratten. Mir gefällt das Musical, weil es von Tieren handelt. Ich liebe Tiere, hauptsächlich Häsli und Tiger. Ich habe selber ein Häsli. Tiger finde ich einfach cool. Ich mache nebenbei auch Hip Hop, einmal in der Woche fahre ich dazu nach St. Moritz. Das Musical gefällt mir auch deshalb, weil wir rappen. In dem Musical spielen viele Leute mit, die Kirche ist dann wahrscheinlich voll. Das wird sicher toll, wenn so viele verschiedene Stimmen zusammen ein Lied singen. Und wenn soviele Leute verschiedenen Alters mitmachen, gibt es immer eine gute Stimmung.»

Pascal Leinenbach, 26, Koch, ist seit 6 Jahren blind. Pascal Leinenbach, 26, Koch, ist seit 6 Jahren blind.

«Ich habe schon mal mit Lothar Teckemeyer gearbeitet in einem Gospelchor und fand es genial. Als ich für das Musical angefragt wurde, war ich sofort mit dabei. Ich wohne zwar im Bergell, der Weg nach Zuoz ist etwas lang. Aber ich sagte mir: wer nichts wagt, gewinnt nichts. Ich spiele ein Kamel. Die Frau Pfarrer ist meine Kameldame. Als Vorbereitung für die Rolle erhielten wir eine CD. Ich höre die Lieder immer wieder, so lerne ich sie auswendig. Mir gefällt die Idee, etwas Biblisches gemeinsam darzustellen. Weil es spritzig gemacht ist, mit moderner Musik, wird es die Menschen berühren. Dass ich blind bin, spielt keine Rolle. Ich möchte nicht speziell behandelt werden. Ich mache das, was ich kann. Eine Bürde hat jeder zu tragen. Wir sitzen doch alle im gleichen Boot - wie in der Arche Noah.»

Lothar Teckemeyer, 61, macht seit 30 Jahren Theater und ist ausgebildeter Psychodramaleiter Lothar Teckemeyer, 61, macht seit 30 Jahren Theater und ist ausgebildeter Psychodramaleiter

«Das Musical hat eine klare Botschaft: Es gibt keine billige Gnade. Ich kann mich nur ändern, wenn ich mich schuldig bekenne. Das Finale der Geschichte besteht darin, dass die Menschen nur an Bord des Schiffes kommen, wenn sie es schaffen ein Schuldbekenntnis zu artikulieren: Wir sind ‹Schweinehunde›. Diese Sorte von Tieren hat Noah noch nicht an Bord. Zuerst improvisieren wir, dann entsteht der Text daraus. Die Rollen schreibe ich den Schauspielern quasi auf den Leib. Eine professionelle Umgebung brauche ich, damit ich alle Personen ins rechte Licht stellen kann. Einmal kam eine ganze Familie zu mir, die wollten alle Pinguine spielen. Weil ja nur zwei jeder Tierart aufs Boot darf, musste ich mir eine weitere Pinguinart ausdenken: die Pinguinesen, Pinguine mit Adel versehen. »