Ein Chamäleon ist eben zweifach
Schwein gehabt
„Schwein gehabt“ haben weit über 400 Besucher, die bei den drei Aufführungen des gleichnamigen Musicals am Wochenende des 30. u. 31. Januar in der San Luzi-Kirche dabei waren. Sie kamen in den Genuss gekonnten Musiktheaters. Ausnahmslos waren sie begeistert. 1 ½ Stunden heitere Unterhaltung zum Geschehen rund um den Bau der Arche Noah animierten die Besucher, jeweils mehrere Zugaben zu erklatschen.
Beeindruckend das Bühnenbild: Auf einem sechs Meter hohem Gerüst agierten die mehr als 40 Schauspieler und Sänger als Tiere verkleidet auf drei verschiedenen Ebenen. Begleitet wurden sie von der Life-Band Jazz-Werk unter der Leitung des Komponisten des Musicals Wolfgang Teichmann. Überzeugend waren der Gesang und die tänzerischen Darbietungen und das engagierte Spiel aller Akteure. Die phantasievollen Kostüme rundeten den guten Gesamteindruck ab. Überzeugend auch das Zusammenwirken verschiedener Generationen, Die jüngste Akteurin war 7 Jahre alt, der älteste 72 Jahre. Alles wurde mit Tempo und Witz von Lothar Teckemeyer, dem Texter und Initiator des Musicals, inszeniert.
Die Geschichte des Musicals ist schnell erzählt. Noah baut mit seinem Sohn an seiner Arche, weil Gott ihn dazu beauftragt hat. Doch eine Gruppe von Menschen macht sich über ihn lustig. Sie nennen ihn Clown und Spinner. Iwan Damerow als Noah und Julian Flury als Sohn sowie Nadia Damaso, Rilana Chenzli, Annigna Tschumper, Luisa Denoth und Tanja Wüthrich überzeugten durch schauspielerisches und sängerisches Talent, genauso wie die anderen Darsteller in den Rollen verschiedenster Tiere. Ratten, Kamele, Pinguine, Paradiesvögel, Schildkröten, die Schnecke (obwohl sie ihr eigenes Haus hat) und Papageien, selbst Trampeltiere oder das Chamäleon erhalten Zutritt zur Arche, nur den Menschen wird der Eintritt ins rettende Schiff verwehrt. Was sie auch anstellen, Noah bleibt bei seinem „Nein“. Schließlich nennt er die Menschen „Schweinehunde“. Weil sich die Menschen zu ihren Schattenseiten bekennen, kommen sie schließlich an Bord, denn Schweinehunde sind Tiere.
Dabei orientiert sich das Musical nur assoziativ an der biblischen Vorlage – zur Freude der Zuschauer. So kann ein ernsthaftes Thema – Umgang mit Schuld – heiter und mit Augenzwinkern erzählt werden. Frau Pinguin ist ganz entsetzt, weil sie ihr Handy vermisst. Die Ballettratten gehören genauso an Bord, wie die Mickymaus oder die Kirchen- und Wollmaus. Michael Jackson, obwohl verstorben, tritt als Lindwurm (Michael Campell) auf. Die Pinguine und Pinguinesen (eine Zwergenausgabe der Pinguine) können mit großer Lust „pinguinieren“ und für Ordnung sorgen. Dabei dürfen sie nach Herzenslust sterilisieren, manipulieren, diskutieren oder referieren, wunderbar dargeboten durch Madlain, Urs, Selscha und Cilgia Zangger.
Ein professionelles Musical in der Kirche aufzuführen, ist ungewöhnlich, hat aber in Zuoz Tradition. „Schwein gehabt“ ist bereits das dritte Projekt gewesen, das Regisseur Lothar Teckemeyer (im Hauptberuf Pfarrer in Zuoz) auf die Bühne brachte. „Gutes Licht, eine sichere Band, verlässliche Tontechnik, eine gekonnte Anleitung für Gesang, Schauspiel und Tanz sind nötig, damit Laien auf einer Bühne gut aussehen.“ begründet Teckemeyer seinen Ansatz der Musicalarbeit. „Schwein gehabt“ hat demonstriert, dass kulturelle Highlights auch mit Laien möglich sind.
San Luzi
Zuoz